Der 16. Juni 2017 – ein ereignisreicher Tag und Gewinn für alle Beteiligten!

Zum 19. EIPOS-Sachverständigentag Bauschadensbewertung / 11. BVS-Bausymposium konnten wir 173 Teilnehmer im ICC Dresden begrüßen. Die Prokuristin von EIPOS Sabine Schönherr und der Vorsitzende des BVS Sachsen Tobias Irmscher eröffneten gemeinsam die Tagung.

Die Vorträge der Fachreferenten aus der gesamten Bundesrepublik boten ein breites Themenspektrum. Daraus entspannen sich interessante und angeregte Diskussionen.

Herr Dipl.-Ing. Burkhard Prechel begann die fachlichen Vorträge mit dem Thema „Verlegung von Keramik- und Naturwerksteinbelägen auf Trockenhohlböden“. Büro- und Fertigungsstätten unterliegen ständigen Nutzungsänderungen. Daher werden in diesen Bereichen als Fußbodenkonstruktionen häufig Systembodenkonstruktionen eingesetzt, die eine hohe Flexibilität in der Installation von Versorgungsleitungen gewährleisten. Durch das statische System kann es zu Hohllagen und Rissbildungen in den Belägen meist über den Fugen kommen, Verformungen des Gesamtsystems über 0,5 mm sind kritisch anzusehen. Deshalb sind bei der Ausführung von Naturwerksteinbelägen auf Systemböden besondere planerische Maßnahmen erforderlich.

Über den neuen Baustoff Carbonbeton berichtete Herr Dipl.-Ing. Ammar Al-Jamous. Stahl im Beton soll langfristig durch Carbon ersetzt werden. Da Carbon nicht rostet, spart man all den eingesetzten Beton, der nur den Stahl vor der Korrosion schützen soll. Mit Carbonbeton kann nachhaltig, umweltschonend, weniger materialintensiv und leichter gebaut werden. Carbonbeton kann, im Gegensatz zu Stahlbeton, nicht rosten und ist somit langlebiger. Zudem zeichnet sich der innovative Baustoff durch seine Leichtigkeit aus. Dabei können mit Carbonbeton filigran geschwungene und frei geformte Bauteile hergestellt werden. Bis 2020 sollen alle Voraussetzungen geschaffen werden, um Carbonbeton in den Markt einzuführen. Bis 2025 soll die Bauweise dauerhaft etabliert werden.

Dipl.-Ing. Dieter Rudat nahm Stellung zu dem Thema Tiefgaragen: „Chloridschutz und Oberflächenschutzsysteme“. Seit dem Erscheinen des Merkblatts „Parkhäuser und Tiefgaragen“ des DBV im Jahr 2010, an dem in der Fachwelt eine Reihe von Kritik laut wurde, haben sich technische Regeln im Rahmen des EC2 geändert. Praxiserfahrungen mit der Umsetzung der Empfehlungen in diesem Merkblatt konnten gesammelt werden. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, das Merkblatt zu aktualisieren, was derzeit in einem Arbeitskreis des DBV geschieht. Herr Rudat fasste in seinem Vortrag die wesentlichen neuen Erkenntnisse und Änderungen am bisherigen Merkblatt zusammen.

Herr Dipl.-Ing. Thomas Platts war an der Erarbeitung der neuen Abdichtungsnorm DIN 18534 beteiligt. Unter dem Titel „Häusliche Bäder oder Häusliche Wellnesstempel" nahm er dazu Stellung. Abdichtungen im Verbund mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten haben sich in Innenräumen gegenüber einer Ausführung mit traditionellen bahnenförmigen Abdichtungen nach DIN 18195 durchgesetzt. Bewusst werden sollte allen Beteiligten, dass mit Verbundabdichtungen ebenso eine Bauwerksabdichtung herzustellen ist, an die die gleichen Anforderungen zu stellen sind, wie sie auf Dächern oder im erdberührten Bereich gestellt werden. Viele Bauschäden zeigen, dass sich die notwendige Sorgfalt in Planung und Ausführung im häuslichen Badezimmer und bei vergleichbaren Nutzungen nach wie vor nicht hinreichend beachtet wird.

Wieviel Schallschutz muss oder kann sein? Dieser Frage ging Herr Dr.-Ing. Jörg Wildoer in seinem Vortrag nach. Die Normungsarbeit auf dem Gebiet des Schallschutzes von Wohnungen ist in den letzten zwanzig Jahren immer wieder in das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wirtschaftlichen Interessen, administrativen Vorgaben und juristischen Bewertungen geraten. Damit ist eine Situation entstanden, die für viele Akteure im Bau- und Immobiliensektor nicht nur unübersichtlich, sondern auch in erheblichem Maße juristisch unsicher geworden ist. Dr. Wildoer unternahm den Versuch, das „Kann“ des baulichen Schallschutzes zu beschreiben und praktikable Antworten abzuleiten!

Einen sehr kurzweiligen und interessanten Vortrag über Grenzen und Möglichkeiten einer fachgerechten Sanierung von Schimmelpilz- und Wasserschäden in Gebäuden im Kräftespiel der "Marktpartner" bot Herr Dr. Ernst J. Baumann. Eine fachgerechte Sanierung von Wasser- und Feuchteschäden stellt, Trocknungsunternehmen und Sachverständige vor immer schwerer zu bewältigende Aufgabestellungen. Die zu erwartenden Anforderungen und ihre Auswirkungen auf die Beteiligten sind nur schwer zu prognostizieren. Das zeigen sowohl die Erfahrungen aus der Sanierungspraxis, der Richtliniengestaltung und dem unternehmerischen Agieren in Schadenmanagementorganisationen. Ohne systemorientierte Denkweisen bleibt es bei politisch und wirtschaftlich dominierten Einzellösungen – mit unvorhersehbaren Folgen für uns alle.

Ab Januar 2018 gilt ein neues Bau- und Werkvertragsrecht. Die Neuregelungen zum Bauvertragsrecht und zur kaufrechtlichen Mängelgewährleistung treten zum 1.1.2018 in Kraft und gelten für alle Verträge, die ab diesem Zeitpunkt abgeschlossen werden. Dr. Katrin Seidel vom Landgericht Kiel informierte zu den neuen Inhalten. Des Weiteren wurden anhand von Beispielen aus der aktuellen Rechtsprechung typische Problemstellungen vom Erhalt des Auftrags an über die Beschaffung notwendiger Informationen, die Durchführung eines Ortstermins und die schriftliche Ergänzung des Gutachtens bis hin zur mündlichen Erläuterung des Gutachtens erörtert. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Anregungen für die tägliche Praxis der Sachverständigen und vor allem auf der Vermeidung von Konfliktsituationen bzw. ihrer Bewältigung.

Das Wetter war etwas wechselhaft, sodass die 23 Aussteller die Besucher in den Pausen mit ihren Innovationen, Trends und einem breiten Produkt- und Leistungsangebot noch umfangreicher überzeugen konnten. Nicht zuletzt sorgte das angenehme Ambiente und kulinarische Angebot für gute Stimmung.

Der Tagungsband dokumentiert die Referate der Tagungen Immobilienbewertung und Sachverstand am Bau und kann für 29,90 € erworben werden.

Das Fazit der Teilnehmer: Eine gelungene Veranstaltung mit vielen fachlichen Inputs, welche auch gern vertieft werden sollen.

Wir, EIPOS und BvS, freuen uns über die Themenhinweise. Ziel ist es wiederum ein interessantes Programm für 2018 zu gestalten. Bitte vormerken: Diesmal mitten in der Woche: 20.06.2018, wozu wir schon jetzt ganz herzlich einladen. Für Themenvorschläge oder das Angebot für eigene Vorträge steht die E-Mail-Adresse s.gruen@eipos.de zur Verfügung.