Bericht

102 Sachverständige trafen sich am 5. Juni 2012 zum 14. Sachverständigentag der Bauschadensbewertung bei EIPOS auf der Goetheallee zum Erfahrungsaustausch, Intensivierung von Kontakten und natürlich der Aufnahme neuer fachlicher Erkenntnisse. Anfängliches Regenwetter tat der guten Stimmung keinen Abbruch, so dass sowohl die Fachbeiträge als auch die Pausen zur angeregten Diskussion genutzt wurden.

Dr.-Ing. Hartwig M. Künzel vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP wies in seinem Vortrag darauf hin, dass eine hohe Schadensanfälligkeit von konventionellen Flachdächern in Holzbauweise mit Abdichtung und Dampfsperre besteht. Eine oft vernachlässigte Schadensursache ist die Dampfkonvektion. Für die Ursachenfindung von Schäden sowie die anschließende Bemessung ist es sehr wichtig, eine umfassende Analyse durchzuführen und dafür Glaserberechnungen und hygrothermischen Simulationswerkzeuge zu verwenden. Hierbei sind allerdings keine Standardlösungen möglich.

Aus der Fülle von Urteilen der letzten etwa eineinhalb Jahre vor den Schranken der Gerichte gab Dr. jur. Richard Althoff aus Dresden einen Überblick zu aktuellen Rechtsprechungen zum Thema Dichtung. Boden- und Dachabdichtungen sowie die erforderliche Bauabnahme erfordern einen sehr genauen Planungsprozess unabhängig von der jeweiligen Bauphase. Entsprechende haftungsbegründende Fehler lösten im Teilnehmerkreis eine rege Diskussion aus.

Der Einsatz von Anlagen von modernen Anlagen zur Wärmeerzeugung rückt immer mehr in den Blickpunkt des Bausachverständigen. Dr.-Ing. habil. Stefan Wirth aus Karlsruhe konnte dabei von Schadensfällen aus der täglichen Praxis berichten. Es existieren keine langjährigen Erfahrungen mit dem Einsatz regenerativer Methoden zur Wärme- und Kälteerzeugung mit Ausnahme der Solarthermie. Daher ist ein erhöhtes Schadenspotential gegeben, welches sich durch höhere Investitionskosten noch vergrößert.

Wer ist Feuchtigkeits- und Schimmelpilzschäden verantwortlich – Nutzer oder Gebäude (Eigentümer). Damit besteht großes Streitpotential zwischen Mieter und Vermieter. Dr.-Ing. Wolfgang Lorenz aus Düsseldorf wies in seinem Vortag darauf hin, dass für die Ursachenklärung sowohl bautechnische, als auch messtechnische Kenntnisse sowie Analysen im mikrobiologischen Speziallabor notwendig sind. Eine fachgerechte Sanierung nach Empfehlungen von Umweltbundesamt und Berufsgenossenschaft ist anschließend unvermeidlich.

PE-Folien unter erdberührenden Bodenplatten – Sinn oder Unsinn? Diese Diskussion auch unter Fachleuten untersetzte Dipl.-Ing. Dietrich Hinz aus Ascha in seinem Vortrag mit detaillierten Betrachtungen zu Wasseranfall, Bodenfeuchte, Kapillarität der Stoffe, Innenraumfeuchte und Diffusion. Abdichtungen in Form von PE-Folien sind also nur dort vorzusehen, wo es auch Anlass dafür gibt. Das Regelwerk der DIN 18195 Teil 4 ist in ihrer grundsätzlichen Anwendung somit zu hinterfragen.

Herr Schweizer vom IRB-Verlag präsentierte Neuerscheinungen vom IRB-Verlag. Erstmalig wurde unser Tagungsband im Fraunhofer IRB Verlag verlegt. Der Fraunhofer IRB Verlag, einer der führenden Verlage des Planens und Bauens, identifiziert aktuelle Zukunftsthemen und wird so dem spezifischen Informationsbedürfnis u. a. von Sachverständigen gerecht. Der vorliegende Tagungsband wird auf diesem Weg einer breiteren Fachöffentlichkeit zugänglich. Herr Ellinger von der WTA-Akademie informierte ebenfalls am IRB-Verlagsstand über Arbeit und Aufgaben der WTA-Referate und die zugehörigen WTA-Merkblätter.

Fazit der Teilnehmer: Ein anspruchsvoller Sachverständigentag mit einem breiten Themenspektrum und vielen interessanten Pausengesprächen. 


Bildergalerie vom 5. Juni 2012