Das 2. EIPOS-BIM-Forum am 22.09.2017 widmete sich in diesem Jahr der sogenannten „Leistungsphase 0“. Dabei sind wir uns mit vielen Fachleuten einig, dass eine frühe, ganzheitliche Planungsvorbereitung für den BIM-Projekterfolg essenziell ist.

In der Auswahl der Vorträge war es bewusst interdisziplinär für die unterschiedlichen Projektpartner am Bau konzipiert. Es beleuchtete die wesentlichen Prozesse, Akteure und Herausforderungen, die derzeit für eine erfolgreiche Umsetzung der BIM-Philosophie und der damit einhergehenden Modellkonsistenz über alle Leistungsphasen hinweg gemeistert werden müssen. Alles in allem: BIM wird nur gut und erfolgreich, wenn das Ergebnis bei den Beteiligten Mehrwert stiftet!

Die Referenten brachten es auf unterschiedliche Weise auf den Punkt:

Tim Hannewald (BIM Manager bei N+ P Informationssysteme) postuliert … Wir machen alle schon seit 20 Jahren BIM, da Modelle nur Tabellen sind die zur Not in jedem Texteditor bearbeitet werden können. Dr. Schiller (Inhaber von f:Data / Dr. Schiller und Partner) hält es mit dem Sprachrätsel: BIM einfach machen, welches je nach Betonung seine Bedeutung ändert und Dr. Liebchen (Inhaber: smartDEVELOPER Software assetcontroller) meinte 11+1=0, womit er die bekannten Leistungsphase 1 durch die für ganzheitliches BIM notwendigen neuen virtuellen Phasen 11 und 0 ergänzte!

Den Vortragsauftakt machten Vertreter der ideellen Partner, die das 2. EIPOS-BIM-Forum mitgetragen haben. Der buildingSMART e.V. wurde durch den neuen Leiter Kommunikation Jens Pottharst vertreten. Der folgende Vortragsblock zeigte den integrativen Ansatz der Methode.

Die Architektenkammer Sachsen war durch den AK-BIM-Leiter Silvio Lux vertreten, der die speziellen Herausforderungen und Wünsche der Architekten vorstellte aber auch Chancen aufzeigte. Sein Credo : BIM geht nicht mal so nebenbei und die Modellerstellung soll eine eigene bestellbare Leistung werden, welche derzeit noch eher in „Selbstausbeutung“ erbracht wird.

Danach sprach Dr. Sebastian Fuchs für die Ingenieurkammer Sachsen und erläuterte in seinem Vortrag die absolute Diskrepanz zwischen Wissenschaft und Praxis, lobte jedoch die bereits gelebte Partnerschaft in der Praxis. Als neue Rolle wünschen sich die Ingenieure einen unabhängigen BIM-Gesamtkoordinator der die Konsistenz der Property Sets in Open BIM-Standards sicherstellt. Dabei zog er Parallelen zum agilen Projektmanagement, wo diese Rolle z.B. in Form des SCRUM-Masters implementiert ist.

Als letzter ideeller Partner kam Volker Kylau (Referatsleiter im Sächsischen Staatsministerium der Finanzen) zu Wort und bekräftigte die rasante Veränderung, die die BIM-Thematik in den letzten 12 Monaten in den Augen der öffentlichen Auftraggeber genommen hat. Dabei betonte er, dass die öffentliche Hand keinen zertifizierten BIM-Planer fordern wird und im ersten Quartal 2018 einen Leitfaden für Auftraggeberinformationsanforderungen (AIA) herausgeben wird, womit die Hoffnung verbunden ist, dass sich die „Bedarfsforderer“ mehr Zeit für eine Phase 0 nehmen und sich intensiver mit ihren Funktionsanforderungen beschäftigen. Die sächsische Bauverwaltung hat außerdem massiv in IT-Infrastruktur investiert, um zukünftig mit eingereichten Modelldaten umgehen zu können. Die Bauverwaltungen der Länder haben für die Umsetzung eine länderübergreifende Kommission geschaffen, in der für Sachsen Herr Golaszewski aktiv ist, der im Anschluss über den aktuellen Stand informierte.

Nach diesem Vortragsblock ging es bereits in die detaillierte Schilderung aus der Praxis. Hier startete Dirk Hennings (BIM Welt), der die strategische Dimension guter Auftraggeberinformationsanforderungen (AIA) für den Projektverlauf erläuterte. Die Erfahrung lässt sich auf den einfachen Leitsatz bringen: Es werden nur Ziele erreicht, die vorher definiert werden. Modelle sind dabei nur die Grundlage, um Prozesse abzuleiten und diese durch Kosten, Termine und Qualitäten greifbar zu machen. Dabei wird, solange die HOAI vereinbarte Grundlage ist, keine neue exekutive Instanz geschaffen.

In der Mittagspause gab es dann die Möglichkeit, den Laas’n‘hof zu besichtigen den der erste Referent des Nachmittags Dr. Klaus Schiller mit BIM-Methoden umgebaut hat. Mit dem Einsatz der Methode in einem privaten Bauvorhaben schuf er ein Praxisbeispiel, wo es keine Veröffentlichungseinschränkungen gibt, um den derzeitigen Stand der Technik, aber auch die bislang unzureichend gelösten Herausforderungen darzustellen. Gemeinsam mit Dr. Gerald Faschingbauer zeigte er an einem Webfrontend Live den Einsatz der Kosten- und Mengenermittlung auf Basis des BIM LV Containers der mit GAEB und IFC kompatibel ist. Diese Herangehensweise ermöglicht bereits in einer frühen Leistungsphase die interaktive Variantenplanung gemeinsam mit dem Bauherren.

Der Vortrag von Dr. Liebchen spannte den Bogen zum Assetmanagement, welches noch ganz andere Attribute von einem Bauwerksmodell fordert als es in der derzeitigen BIM-Betrachtung üblich ist, die maximal bis zum FM „denkt“. Insbesondere erläuterte er die Formel 11+1=0, was eine Metapher für das notwendige Umdenken bezüglich der betrachtenden Phasen eines Bauprozesses darstellt und eine echte lebenszyklusorientierte Sicht erst möglich macht. Der zweite Kernpunkt seines Vortrages befasste sich mit der Thematik, dass die einzelnen Beteiligten gar nicht alle Modellattribute kennen, geschweige denn interpretieren können. Daher plädiert er dafür, hier von Anfang an sogenannte Nullvariablen zu definieren, die erst an der Stelle des Bauprozesses inhaltlich gefüllt werden, wo die Daten für das Attribut generiert werden.

Die praktische Anwendung und Flexibilität des IFC-Formats spielte auch im folgenden Vortrag, der sich mit dem Erhalt der Modellkonsistenz in den Leistungsphasen beschäftigte, eine wichtige Rolle. Tim Hannewald zeigte, wie man als BIM-Manager in der Praxis schon mit dem einfachsten Texteditor IFC-Dateien lesen und ggf. anpassen kann. Eine interessante Metapher gelang ihm mit dem Henne-Zaun-Prinzip. Dieses stellt darauf ab, dass wir auch bei komplexen Prozessschritten den Überblick behalten müssen und dafür ab und an, ein bis zwei Schritte zurücktreten müssen.

Im letzten Vortrag des Tages erläuterte Michael Risch (GF Bau-Planung-Risch & Mediator) wie der Interessenausgleich zwischen verschiedenen Stakeholdern in der Phase der Grundlagenermittlung mit den Methoden der Mediation ermöglicht werden kann, und das die Frage: Was erwarten Nutzer vom Bauwerk? auf ganz neuen Wegen diskutiert werden kann.

In der abschließenden Podiumsdiskussion waren sich Referenten und Publikum einig, dass der Tag die Komplexität der Veränderung transparent vor Augen führte, die der Branche bei der Einführung von BIM bevor steht. Die Kernfrage bleibt: Was macht ein erfolgreiches Gebäude aus? Die Herausfindung für die planende Fraktion ist nun betriebswirtschaftliche Kompetenzen aufzubauen und zukünftig nicht vor Begriffen wie total cost of ownership und life cycle costs zurückzuschrecken. Für die betreibende und vermarktende Fraktion stellt sich die Aufgabe, mit den neuen Möglichkeiten der modellbasierten Variantenplanung und deren Visualisierung nicht nur oberflächlich zu beschäftigen.

Für das nächste BIM-Forum im September 2018 gab es den Vorschlag, dieses erneut an einem Ort durchzuführen, der eine Praxisanwendung der Methode illustriert. Wir prüfen dies und werden Ort und Termin alsbald bekannt geben.