Bericht vom 2. Dezember 2014

Expertentreff der Holzschutzbranche

Am 2. Dezember 2014 eröffnete der EIPOS-Geschäftsführer, Herr Dr. Uwe Reese, den 18. EIPOS Sachverständigentag Holzschutz.

Diesmal mit einer Rekordbeteiligung! Der Einladung zum letzten großen Event am Standort Goetheallee 24 folgten 120 Teilnehmer und Dozenten. Das zeigt, dass die hohe Qualität der Veranstaltung den interessierten Sachverständigen wieder nach Dresden lockte.

Aktueller Themen rund um den Baustoff Holz standen im Mittelpunkt der Tagung. Die fünf Fachvorträge mit hochkarätigen Referenten regten  zum fachlichen Austausch an.

Zum Thema Mazeration historischer Dachkonstruktionen: Verfahren zur Schadensminderung und -bekämpfung sprach Frau Dr. phil. Christiane Hennen. Sie stellte Ausgangspunkt, Forschungsansatz, Methoden und Ergebnisse des Projekts MATEKUR vor. Viele hölzerne Dachkonstruktionen wurden im 20. Jh. intensiven Flammschutz- und Holzschutzmittelbehandlungen unterzogen. In Folge dieser häufig überdosierten und kombinierten chemischen Applikationen treten sog. Mazerationserscheinungen auf, die in schweren Fällen in der wollartigen Auflösung der Holzoberflächen sichtbar werden, häufig aber mit dem bloßen Auge kaum erkennbar sind. Die betroffenen Konstruktionen sind z.T. gänzlich im Bestand gefährdet. Insbesondere im Falle sehr großer Dächer (Kirchen) führt dies zu erheblichen Sanierungskosten oder/und zum Verlust wertvoller Baudenkmale. Andererseits können die oft hoch- oder auch überdosierten Chemikalien Gefahren für Handwerker und Nutzer derartiger Bauten darstellen.

Der Leiter des Fachbereiches „Bauphysik“ der Holzforschung Austria Herr Dr. Martin Teibinger aus Wien sprach über generelle brandschutztechnische Lösungen für den Holzbau. Gerade Holz und Brandschutz sind für viele Anwender schwer umsetzbar und bedürfen detaillierter Planungen. Er stellte Konstruktionsdetails bei brandabschnittsbildenden Bauteilen, Abschottungen und Fassaden aus Holz und Holzwerkstoffen vor. Entsprechende Forschungsprojekte spiegeln die Möglichkeiten für genormte Konstruktionen ohne weitere Nachweise dar.

Rege Diskussionen zwischen Dozent und Teilnehmer entwickeln sich immer zum Thema Recht. Zur aktuellen Rechtsprechung der Obergerichte referierte Rechtsanwalt Herr Dr. jur. Steffen Gratz aus Leipzig. Gerade für Sachverständige existieren neue Urteile. Auslegungen zur Mängelhaftung und allgemein anerkannten Regeln der Technik wurden mit entsprechenden Praxishinweisen untersetzt.

In sehr aufgelockerter Art referierte Frau Dr. rer. nat. Constanze Messal zum Thema „Neues zum Umgang mit verschimmelten Holzkonstruktionen – Bewertung und Sanierung?“ Anschaulich stellte Frau Dr. Messsal die verschiedenen Typen von Schimmelpilzen vor. Schadensfälle und deren Bewertung wurden aus hygienischer Sicht betrachtet und der Frage nachgegangen, wie mit Schimmelpilzbefall auf Holzkonstruktionen im Innenraum umgegangen wird. Eine Zusammenfassung zur Sanierung von schimmelbelastetem Holz ist im DHBV-Merkblatt nachlesbar.

Einen interessanten geschichtlichen Abriss zum Thema „Vom Materialschutz zum Verbraucherschutz – Erkenntnisse aus 200 Jahren Zimmerertraktate und 15 Jahren Sachverständigentätigkeit, bot Herr Ingo Dreger. Seit Mitte des 19. Jh. entwickelte sich die Idee vom Materialschutz mit chemischen Holzschutzmitteln. Die Diskussion darüber beschäftigen Normung und Sachverständige noch heute und ist lange nicht abgeschlossen.

Vier Fachaussteller umrahmten die gelungene Veranstaltung.
Wir danken allen Referenten und Teilnehmern für ihr Kommen und die angeregten Diskussionen.