5. EIPOS-BIM-Forum

23. September 2020

4. EIPOS-BIM-Forum „BIM im Infrastrukturbau“ am 27. September 2019 im WTC Dresden

Der Infrastrukturbau mit Verkehrs- und Ingenieurbauwerken war Leitthema des 4. EIPOS-BIM-Forums, welches erneut mit den ideellen Partnern: Sächsisches Staatsministerium der Finanzen (SMF), buildingSMART Deutschland und den Ingenieur- und Architektenkammern des Freistaates ausgerichtet wurde. Über 50 Teilnehmer aus Ingenieurbüros, Infrastrukturunternehmen, der Auftraggeberseite sowie Architekten und Projektsteuerer verfolgten interessiert die sechs Fachvorträge, die sowohl die Rahmenbedingungen, aktuelle Projekte sowie Ausblicke und Perspektiven für die Zukunft des digital begleiteten Bauens im Infrastrukturbereich gaben.

Die EIPOS-Geschäftsführerin Dipl.-Ing. Sabine Schönherr begrüßte die Teilnehmer und betonte die Notwendigkeit einer qualifizierten Einführung der Methode BIM. Anschließend erläuterte Sie das strukturierte Weiterbildungsprogramm von EIPOS, welches verschiedene Expertenausbildungen auf Basis des weltweit verbindlichen bS/VDI Zertifikats “BIM Basiswissen“ bietet. EIPOS gehört seit Januar 2019 zu den ersten gelisteten Anbietern dieser Ausbildung und kann bereits auf über 40 erfolgreiche Absolventen verweisen. Im kommenden Jahr wird die Fachfortbildung BIM Experte (EIPOS) die Grundlage für die Listung als Fachingenieur BIM der Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt.

Der Präsident der Ingenieurkammer Sachsen Prof. Dr.-Ing. Hubertus Milke stellte die Innovationskraft der sächsischen Ingenieure heraus, die ganz aktiv die Umsetzung von BIM durch eine eigene Arbeitsgruppe an der Kammer voranbringen. Die IK Sachsen hat sich mit einem Positionspapier in die laufenden Sondierungsverhandlungen im Freistaat Sachsen eingebracht. Dies verdeutlicht, dass open BIM als Planungswerkzeug die Grundlage für langfristige Kostensenkung der Wertschöpfungskette Bau bildet und somit rasch eingeführt werden sollte.

Gunther Wölfle, Geschäftsführer von buildingSMART Germany, betonte die weltweit wachsende Bedeutung von BIM und verwies insbesondere auf die rasante Entwicklung im asiatischen Raum. Dies zeigt sich insbesondere mit der Umsetzung des IFC Rail Standards, welcher Ende Oktober zum buildingSMART Herbstsummit in Peking verabschiedet wird.

Im ersten Fachvortrag referierte Dr.-Ing. Thomas Liebich (AEC3) den Stand der Einführung von BIM in Bundesvorhaben des Infrastrukturbaus. Hier gab er einen prägnanten Überblick über Umsetzung und Zukunft des BMVI Stufenplans "Digitales Planen und Bauen", wo die Umsetzung des Niveaus 1„im Laufe des Jahres 2020“ verbindlich wird. Besonders empfiehlt er die Nutzung der seit September vollständig frei verfügbaren Handreichungen des BIM4INFRA Projekts. International konsolidierte Normungsaktivitäten sorgen dafür, dass BIM Projekte immer regelbasierter möglich werden. Neu war für viele Zuhörer, dass eingeführte Begrifflichkeiten sich in diesem Zusammenhang noch einmal ändern werden. So sollen LOx zukünfig unter „Level of information need“ weitere Attribute enthalten und der Begriff AIA zukünftig für „Austausch Informationsanforderungen“ stehen.

Dipl.-Ing. Dirk Röder, Referatsleiter Bauwerksplanung und -verwaltung, beim LASuV (Landesamt für Strassenbau und Verkehr) zeigte in seinem Vortrag die Herausforderungen der sächsische Straßenbauverwaltung auf dem Weg zu BIM plastisch auf. Die vielen Dimensionen und Ebenen der Problematik beschrieb er anhand einer Mindmap. Er stellte die erlebte hohe Kollegialität der Zusammenarbeit beim beschriebenen Pilotprojekt, einer Brücke über eine Autobahn in Mittelsachsen, heraus. Als Erfolgsfaktoren wurden transparente Kommunikation, ein vom Auftraggeber zur Verfügung gestellter Projektraum (CDE) und die Beratung durch kompetente Dritte benannt, bis der Auftraggeber selbst die entsprechenden Kompetenzen im BIM Management aufgebaut hat. Abschließend gab der Referent noch Einblick in die sehr aktive Arbeit der buildingSMART Fachgruppe „BIM Verkehrswege“.

Im nächsten Vortrag analysierte Dipl.-Ing. (FH) Oliver Langwich von der Contelos GmbH Trends und Entwicklungen der letzten 5 Jahre und brachte anschauliche Beispiele aus den Bereichen Brücken-, Tunnel-, Wasser- und Hafenanlagenbau mit nach Dresden. An allen Beispielen wurde deutlich, dass die aktuellen Softwaretools einen mächtigen Funktionsumfang entfalten können, wenn sie von versierten Ingenieuren ausgereizt werden. Wenn eine Lösung einmal funktioniert und erprobt ist kann diese mit geringem Aufwand zukünftig auf ähnliche Fragestellungen angewendet werden bzw. können saubere Bauwerksmodelle auch in weiteren Phasen des Lebenszyklus genutzt werden. Am Beispiel einer realen Autobahnbrückensanierung wurde der Workflow von der Aufnahme der Punktwolke über teilautomatisierte Modellierung und Attribuierung zum AIA-konformen Bestandsmodell beschrieben.

Der Vortrag von Dipl.-Ing. Tobias Hein von der BUNG AG zeigte dem Fachpublikum, welchen Mehrwert die BIM Methode über das in der Planung inzwischen fest etablierte modellbasierte Arbeiten hinaus in der Umsetzungsphase bietet. Als Beispiel diente die innerstädtische Sanierung einer Bundesautobahn, die nicht zuletzt aufgrund der beengten Verhältnisse eine präzise Ablaufsteuerung bedurfte. Insbesondere bei der Kommunikation mit der Öffentlichkeit spielte der digitale Zwilling seine Stärken bei der nun möglichen realitätsnahen Visualisierung der Veränderungen aus. Als noch zu lösende Herausforderung zeigte sich, nicht nur in diesem Vortrag des Symposiums, die adäquate Einbindung von Verkehrsplanern in die BIM Methoden des Ingenieurbaus.

Der gemeinhin geäußerten Vorstellung, dass sich BIM vorrangig in Großprojekten lohnt, widersprach Dipl.-Ing. Hinrich Münzner, MBA von Boll & Partner. Er brachte als Beispiel die Sanierung einer 400m langen Wohnstraße in der Schweiz mit. Hier wurden, gemeinsam mit der Kommune und dem beauftragten Bauunternehmen, die aktuellen Möglichkeiten von BIM und der Vernetzung verschiedenster Datenquellen bei der Erstellung eines komplexen „as-build“ Modells ausgereizt. Dies reichte bis zur Aufnahme der Sensordaten der Straßenbelagsmaschine und den Daten einer zusätzlich an dieser angebrachten Wärmebildkamera, welche die Verlegetemperatur georeferenziert mitloggte. Die Erfahrungen mit einer solchen „gläsernen Straße“ werden nun in der Kommune ausgewertet und diskutiert. Für relevant befundenen Modelldaten werden in die AIAs für künftige Straßensanierungen einfließen. Somit wird Bauen immer modularisierter und prozessualer.

Den abschließenden Praxisvortrag gestalteten Auftraggeber und Auftragnehmer gemeinsam und gaben so einen Einblick worauf sich künftige BIM Anwender im Infrastrukturbau einstellen müssen. Am Beispiel der Neugestaltung einer Einmündung von einer Staatsstraße zeigte der BIM-Verantwortliche Dipl.-Ing. Maximilian Morgner von der landeseigenen LISt GmbH vor welchen Herausforderungen die öffentliche Hand bei der Erstellung der AIAs steht. Die dabei durchlebte Lernkurve wird dadurch deutlich, dass die von ihm genutzten AIAs inzwischen schrittweise die Version 0.8 erreicht haben. Kernerkenntnis war, dass AIAs besser bzw. lebenspraktischer werden je knapper sie gehalten sind. Die bundesweite Zusammenarbeit aller Betroffener im neugegründeten Kompetenzzentrum zur weiteren Umsetzung des Stufenplans wird im Idealfall zu einem teilautomatischen „AIA-Generator“ führen, der die wichtigsten Anforderungen für ein spezifisches Projekt generieren kann.

Dipl.-Ing. Erik Schindler und Dipl.-Ing. Andreas Rieß vom Ingenieurbüro Schulze & Rank - Ingenieurgesellschaft m.b.h. erläuterten dann ihre Erfahrungen aus dem gleichen Projekt. Hierbei wurden Stolpersteine als auch notwendige Investitionen (und deren Fördermöglichkeiten für den Mittelstand) für die Einführung der BIM Methode offen benannt. Herausgestellt wurde, dass die modellbasierte Kostenermittlung noch in den „Kinderschuhen“ steckt. Ist Diese jedoch einmal aufwändig für Pilotprojekte erstellt, kann sie künftig Ergebnisse binnen Minuten auswerfen, für die ein Kalkulator typischerweise zwei Arbeitstage benötigt. Ein wichtiger Schlüsselschritt für das Büro war die Nutzung der managementorientierten Prozessmodellierungssprache BPMN, die bislang im Bauwesen keine Rolle spielt aber für Gestaltung von BIM Prozesse eine große Strukturierungshilfe ist. Quintessenz für dieses Büro im Rückblick auf die letzten beiden Jahre ist: „den Faktor Mensch mitzunehmen, ist die meiste Arbeit auf dem Weg zur BIM-Reife“.

Dipl.-Kfm. (FH) Georg Knobloch, MBA, BE, Unternehmensberater und Co-Sprecher der buildingSMART-Regionalgruppe Mitteldeutschland

9.00 Uhr: Eröffnung und Grußworte


9.30 Uhr: Stand der Einführung von BIM in Bundesvorhaben des Infrastrukturbaus

Dr.-Ing. Thomas Liebich, Geschäftsführer AEC3 Deutschland GmbH, München/Dresden

  • Umsetzung des Stufenplans "Digitales Planen und Bauen"
  • Ergebnisse des BIM4INFRA Projekts und Vorstellung der Handreichungen für BIM
  • Standardisierung zu BIM (z.B. IFC for Infrastructure)

10.15 Uhr: Die sächsische Straßenbauverwaltung – Herausforderungen auf dem Weg zu BIM

Dipl.-Ing. Dirk Röder, Referatsleiter Bauwerksplanung und -verwaltung, BIM-Beauftragter des LASuV (Landesamt für Strassenbau und Verkehr), Abteilung Konstruktiver Ingenieurbau

  • Rahmen und Randbedingungen einer Einführung von BIM in der Verwaltung
  • erste Ergebnisse Pilotprojekt und Ausblick
  • aktueller Stand buildingSMART e.V., Fachgruppe „BIM Verkehrswege“

11.00 Uhr: Kaffeepause

11.30 Uhr: BIM für Infrastrukturprojekte – Trends und Entwicklungen der letzten 5 Jahre

Dipl.-Ing. (FH) Oliver Langwich, Contelos GmbH, Gehrden/Hannover

  • Aktueller Stand der BIM-Anwendung bei Brücken, Tunnel, Wasserbau und Hafenanlagen sowie Verkehrsstationen
  • Beispiele für die Begleitung von Unternehmen bei der Einführung und Umsetzung von BIM (u.a. Vössing, Inros Lackner, Eiffage)
  • Vorstellung OPEN BIM Projekt Huntebrücke – von der Punktwolke über die teilautomatisierte Modellierung und Attribuierung zum AIA-Konformen Bestandsmodell

12.15 Uhr: BIM in der Infrastrukturplanung – Ein Mehrwert für Projekte

Dipl.-Ing. Tobias Hein, Projektingenieur- Entwicklung Digitalisierung, BUNG Ingenieure AG, Hamburg

  • Gesamtmodelle – Projektkoordination und Dokumentation des Planungsstands
  • Bauablaufplanung in begrenztem städtischem Baufeld am Beispiel der A7
  • Bestandsbauwerke – Wie viel Detail ist nötig?
  • Verkehrsanlage vs. Ingenieurbau – zwei Disziplinen mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden am Beispiel der A1

13.00 Uhr: Mittagspause

14.00 Uhr: Die gläserne Straße – modellbasierte Planung und Ausführung im Straßenbau

Dipl.-Ing. Hinrich Münzner, MBA,  Geschäftsführender Gesellschafter, Boll und Partner. Beratende Ingenieure VBI Ingenieurgesellschaft mbH & Co KG, Stuttgart

  • modellgestützte Arbeitsmethodik im Straßenbau
  • Erläuterung Anwendungsfälle BIM4INFRA
  • Praxisbeispiel – BIM Pilotprojekt eines innerstädtischen Straßenabschnitts (Schweiz)

14.45 Uhr: Erfahrungsbericht eines Pilotprojektes aus Sachsen, S 112 Ausbau in Wasserkretscham

Dipl.-Ing. Maximilian Morgner, BIM- Verantwortlicher bei der LISt Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen mbH, Hainichen

Dipl.-Ing. Erik Schindler, Geschäftsführer Im Ingenieurbüro Schulze & Rank - Ingenieurgesellschaft m.b.h., AG Leiter BIM in der Ingenieurkammer Sachsen, Chemnitz

Dipl.-Ing. Andreas Rieß, BIM Koordinator im Ingenieurbüro Schulze & Rank Ingenieurgesellschaft  m.b.h., Chemnitz

  • Erfahrungsbericht aus Sicht des Auftraggebers: AIA´s, Bestandsdatenaufbereitung/ Bestandsmodell und Übergabe an den Planer, CDE und Datennutzung nach der Realisierung
  • Erfahrungsbericht aus Sicht des Planers: Erstellung BAP und Anwendung unter den sich dynamisch entwickelnden Randbedingungen
  • Ergebnisse aus dem Pilotprojekt nach Abschluss der Vorplanung
  • Einstieg, Einführung, mögliche Umsetzung, Kosten und Förderung von BIM in einem KMU

15.45 Uhr: Kaffeepause

16.15 Uhr: BIM im Bereich Eisenbahninfrastruktur (Bahnsteiganlagen)

Dipl.-Wirt.-Ing. Bau (FH) Peter Larisch, Geschäftsführer SUDOP Deutschland GmbH, Leipzig

  • Randbedingungen zum Projektstart für ein BIM-Projekt, Vermessung, Projektkommunikationsplattform
  • Vermessungsleistung und Erstellung Bestandsmodell
  • Wege zu einem BIM Modell im LoD/LoI 200

17.00 Uhr: Schlusswort

 

Moderation: Dipl.-Kfm. (FH) Georg Knobloch, MBA, BE, Co-Sprecher der buildingSMART-Regionalgruppe Mitteldeutschland

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Teilnahmegebühr*:

210 € für buildingSMART e.V.-Mitglieder sowie Mitglieder der Architektenkammer Sachsen und Ingenieurkammer Sachsen. Nutzen Sie bitte für die Anmeldung unten stehendes PDF-Formular.

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EIPOS ist Mitglied im deutschsprachigen Chapter von buildingSMART. Diese Organisation arbeitet international an verbindlichen Standards für Open BIM. Regional treten die Mitglieder als Vernetzer für Initiativen und BIM-interessierte Unternehmen auf.

Hier finden Sie die Nachberichte der vergangenen EIPOS-BIM-Foren:

Nachbericht 2018

Nachbericht 2017

Nachbericht 2016