Bei strahlendem Sonnenschein traf sich die Branche der Bausachverständigen am 14. Juni 2019 im Dresdner Kongresszentrum zur gemeinsam von EIPOS und BVS ausgerichteten Tagung „Sachverstand am Bau“.

Nach den Eröffnungsworten von EIPOS-Geschäftsführerin Sabine Schönherr und dem Vorsitzenden des BVS Sachsen, Tobias Irmscher, ging es rund um das Thema Natursteine. Frau Prof. Jeannine Meinhardt von der Fachhochschule Potsdam betrachtete zerstörungsfreie bzw. zerstörungsarme Methoden zur Erfassung von Kennwerten bei Natursteinen in der Denkmalpflege. Wo liegen die Schwierigkeiten in der Messung und Auswertung der Kennwerte? Eine WTA-Referatsgruppe beschäftigt sich mit dieser Problematik.

Wie können bei hydrophobierten Ziegel- und Natursteinmauerwerk komplexe Schadensursachen analysiert werden? Die Sanierung von hydrophobiertem Mauerwerk stellt eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe dar. Für die betroffenen – häufig denkmalgeschützten - Gebäude müssen Wege gefunden werden, mit Schäden umzugehen, die sehr komplexe Ursachen haben. Anhand von Fallbeispielen für hydrophobiertes Ziegelmauerwerk zeigte Dr. Frank Schlütter von der MPA Bremen anhand von Beispielen materialkundliche Vorgehensweisen und Lösungswege auf.

Großes Schadenspotential bilden nichtfachgerechte Ausführungen von Flachdächern. Über das Thema Abdichtung von Flachdächern sprach Michael Schäfer. Im Gegensatz zur alten DIN 18531, die nur die Planung und Ausführung von nicht genutzten Dächern regelte, gilt die neue Fassung auch für genutzte Dächer. DIN 18531 versus Flachdachrichtlinie, hrsg. vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e. V. - welche Regelwerke gelten aktuell und auf was muss der Sachverständige achten?

Eine Schnittstellenthematik für den Bausachverständigen bildet die Gebäudetechnik. Problemfälle aus dem Bereich Sanitär sind oft ursächlich für Schäden an Gebäuden. Sehr fundiert referierte Prof. Michael Hoeft (ö.b.u.v. Sachverständiger der HWK DD für Heizungs- und Lüftungsanlagenbau), wann TGA-Sachverständige hinzugezogen werden müssen und welche Bewertungen zu erwarten sind. Fazit: Der Einsatz von verzinktem C-Stahl im nicht zugänglichen Bereich ist fachlich mangelhaft, da dies ein sehr hohes Risiko für das Gebäude darstellt und damit bezüglich Nachhaltigkeit und Werterhalt als Systemfehler einzustufen ist.

Dr.-Ing. Heribert Oberhaus (ö.b.u.v. Sachverständiger für Schäden an Fassaden und Wärmedämm-Verbundsystemen) gab in seinem Vortrag einen Einblick in die Arbeit der Normenausschüsse zur DIN EN 17237 und DIN 55699 - Wärmedämmstoffe und wärmedämmende Produkte. Was bedeuten die Aktualisierungen für die Praxis? Gerade in diesem Bereich sind theoretisches Hintergrundwissen für die praktische Tätigkeit und notwendige zu beantragende Zulassungen wichtig.

Fliesen im Großformat liegen im Trend. Doch je größer die Fliese, desto schwieriger die Verarbeitung. Mit Großkeramik können völlig neue Wege gegangen und unterschiedlichste Gestaltungsmöglichkeiten angewendet werden. Was bei diesen Verlegungen zu beachten ist, stellte Mario Sommer (ö.b.u.v. Sachverständiger für Schäden an Konstruktionen mit keramischen Belägen) in seinem Vortrag dar. Damit stehen Planer, Ausführende und Sachverständige vor völlig neuen Herausforderungen. Dieses Thema zu vertiefen lohnt sich auf jeden Fall.

Abschließend bereitete Prof. Gerd Motzke die anwesenden Sachverständigen auf neue Tätigkeitsfelder vor. Diese ergeben sich infolge der Werkvertragsrechtsreform und der Rechtsprechung des BGH zum Ende der fiktiven Schadensberechnung mit Auswirkungen auch auf die Berechnung des Minderwerts und damit der Minderung. Der Überblick vermittelte den betroffenen Sachverständigen eines: Die Reform vermehrt den Umfang der klärungsbedürftigen Sachverständigenfragen und löst damit im Streitfall in vermehrtem Umfang Beratungsbedarf durch Privatgutachter und im gerichtlichen Verfahren Bedarf dafür aus, Sachverständigenbeweis anzutreten und auch einzuholen.

Sowohl die Kaffee-, als auch die Mittagspausen luden zum ausführlichen Gespräch und fachlichem Gedankenaustausch ein. Bei einem Besuch in der Fachausstellung konnten technische Neuerungen „angefasst“ und begutachtet werden.

Das Fazit der 170 Teilnehmer: Niveau sehr gut, kurze und knackige Vorträge, effiziente Art der Wissensvermittlung.

EIPOS und BVS nehmen Themenwünsche und weitere Vorschläge gerne auf. Wir freuen uns auf den 19. Juni 2020!